Kurz & Knapp
Was? Ein strukturiertes, faires Stellenbewertungssystem definiert, wie Tätigkeiten im Unternehmen anhand einheitlicher, geschlechtsneutraler Kriterien bewertet und systematisch eingeordnet werden. Bewertet werden nicht einzelne Personen, sondern die Anforderungen einer Stelle – zum Beispiel Kompetenzen, Verantwortung, Belastungen, Arbeitsbedingungen und Komplexität. Das System bildet die Bewertungslogik für alle Stellen im Unternehmen und dient als Grundlage für die Einordnung von Rollen in eine konsistente Stellen- und Vergütungsstruktur.
Warum ist das eine gute Maßnahme? Eine faire Vergütungsstruktur beginnt nicht erst bei der individuellen Gehaltsentscheidung, sondern bereits bei der Frage, wie Stellen bewertet und eingeordnet werden. Ohne einheitliche Bewertungslogiken entstehen Vergütungsunterschiede häufig schon auf der Ebene der Stelleneinordnung und nicht erst im Rahmen individueller Gehaltsentscheidungen. Ein strukturiertes und faires Stellenbewertungssystem trägt dazu bei, Tätigkeiten nach einheitlichen Maßstäben vergleichbar zu bewerten, strukturelle Bewertungsunterschiede zwischen Bereichen zu reduzieren sowie die Nachvollziehbarkeit von Einordnungen und Vergütungsstrukturen zu erhöhen. Gleichzeitig schafft es eine konsistente Grundlage für Gehalts- und Karrierestrukturen. Damit bildet die Maßnahme eine zentrale Basis für faire Vergütungssysteme und unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung der Anforderungen der EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU) 2023/970 an objektive und nachvollziehbare Entgeltstrukturen.
Potenziale & Wirkung
Etablierung einer Unternehmenskultur, in der flexibles Arbeiten zur Normalität gehört und für alle Beschäftigten ermöglicht wird. Ein Wandel von einer Präsenz- zu einer Ergebniskultur.
Flexible Arbeitszeitmodelle werden von mittelständischen Unternehmen als sehr geeignete Maßnahmen gegen Probleme bei der Besetzung von Stellen eingeschätzt. (Quelle, S.45)
Die Einführung von Remote Arbeiten als Gleichstellungsmaßnahme bietet kleinen und mittleren Unternehmen zahlreiche Vorteile und Chancen:
Erhöhte Flexibilität:
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Höhere Mitarbeiterzufriedenheit
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Kosteneinsparungen
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Krisenresilienz
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Durch die Implementierung von Remote Arbeiten als Gleichstellungsmaßnahme können KMU nicht nur die Chancengleichheit fördern, sondern auch von einer Vielzahl betrieblicher Vorteile profitieren.
Schritte zur Einführung im Unternehmen
1. Analyse der bestehenden Stellen- und Vergütungsstruktur
Untersuchen Sie, wie Rollen und Gehälter aktuell im Unternehmen strukturiert sind und ob bereits Ansätze zur Vergleichbarkeit bestehen.
- Erfassen Sie vorhandene Stellenbeschreibungen, Rollenprofile und Vergütungsstrukturen.
- Prüfen Sie, nach welchen Kriterien Gehaltsentscheidungen aktuell getroffen werden (z. B. Markt, Erfahrung, individuelle Verhandlung).
- Analysieren Sie, ob vergleichbare oder gleichwertige Tätigkeiten unterschiedlich eingeordnet oder vergütet werden.
- Achten Sie insbesondere auf mögliche systematische Unterschiede, z. B. zwischen Geschlechtern oder Bereichen.
2. Definition von Bewertungsfaktoren und -kriterien
Legen Sie einheitliche Kriterien fest, anhand derer alle Stellen bewertet werden.
- Orientieren Sie sich an zentralen Faktoren wie:
- Fachliche und methodische Kompetenzen
- Verantwortung (z. B. für Budget, Personal, Entscheidungen)
- Belastung und Anforderungen (z. B. Komplexität, Zeitdruck)
- Arbeitsbedingungen (z.B. physische, kognitive oder organisatorische Anforderungen)
- Trennen Sie dabei klar zwischen der Bewertung der Stelle und der Bewertung individueller Leistung. Die Stellenbewertung bezieht sich auf Anforderungen, Verantwortung und Rahmenbedingungen einer Rolle – nicht auf die konkrete Leistung einzelner Personen.
- Definieren Sie für jeden Faktor klare Abstufungen mit nachvollziehbaren Beschreibungen.
- Achten Sie darauf, dass die Kriterien frei von stereotypen Zuschreibungen sind und für alle Rollen gleichermaßen gelten.
- Stellen Sie sicher, dass die Kriterien organisationsweit anwendbar sind.
3. Entwicklung eines strukturierten Bewertungsverfahrens
Erarbeiten Sie ein Verfahren, mit dem Stellen systematisch bewertet und vergleichbar gemacht werden.
- Entwickeln Sie ein praktikables Bewertungsraster, zum Beispiel mit Bewertungsstufen oder Punkten, um Stellen nachvollziehbar einzuordnen.
- Definieren Sie klare Bewertungsstufen.
- Stellen Sie sicher, dass alle Stellen nach derselben Bewertungslogik beurteilt werden.
- Dokumentieren Sie die Methodik transparent und nachvollziehbar.
- Testen Sie das Verfahren exemplarisch an ausgewählten Pilotstellen und prüfen Sie die Plausibilität der Ergebnisse.
4. Durchführung der Stellenbewertung
Bewerten Sie alle relevanten Stellen im Unternehmen anhand der definierten Kriterien.
- Nutzen Sie aktuelle Stellenbeschreibungen als Grundlage und aktualisieren Sie diese bei Bedarf.
- Binden Sie Führungskräfte und ggf. Stelleninhaber*innen ein, um ein realistisches Bild der Anforderungen zu erhalten.
- Sorgen Sie für eine konsistente Anwendung der Bewertungslogik, z. B. durch zentrale Moderation oder Review-Prozesse.
5. Verknüpfung mit Vergütungsstrukturen
Leiten Sie aus den Bewertungsergebnissen eine transparente und konsistente Vergütungslogik ab.
- Ordnen Sie bewertete Stellen Gehaltsbändern oder -gruppen zu.
- Definieren Sie klare Kriterien dafür, wie individuelle Gehälter innerhalb dieser Bänder festgelegt werden und nach welchen Regeln Gehaltsentwicklungen erfolgen.
- Überprüfen Sie bestehende Gehälter im Abgleich mit der neuen Struktur und identifizieren Sie mögliche Anpassungsbedarfe.
6. Schulung und Kommunikation
Stellen Sie sicher, dass das System verstanden und akzeptiert wird.
- Schulen Sie HR, Führungskräfte und relevante Gremien in der Anwendung und Interpretation des Systems.
- Vermitteln Sie die Bedeutung geschlechtsneutraler Bewertung (z.B. auch im Kontext der Anforderungen der Entgelttransparenz).
- Kommunizieren Sie gegenüber Mitarbeitenden, wie Stellen bewertet werden und wie sich Gehälter daraus ableiten.
- Stellen Sie eine einheitliche Anwendung sicher (z. B. durch verbindliche Richtlinien und regelmäßige Abstimmungsrunden zur Bewertung).
7. Kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung
Sichern Sie die langfristige Wirksamkeit und Fairness des Systems.
- Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Bewertungen noch aktuell und angemessen sind.
- Analysieren Sie Vergütungsstrukturen auf Auffälligkeiten (z.B. Entgeltunterschiede und deren Ursachen).
- Passen Sie Kriterien und Bewertungslogik bei Bedarf an neue Anforderungen an.
- Berücksichtigen Sie gesetzliche Entwicklungen und Berichtspflichten.
Wer muss eingebunden werden?
Geschäftsführung, Personalabteilung, Führungskräfte, Controlling, ggf. Betriebsrat
Mögliche Stolpersteine & Tipps
Unklare oder zu abstrakte Bewertungskriterien
Kriterien sind zu allgemein formuliert und lassen Interpretationsspielraum.
Tipp: Arbeiten Sie mit konkreten Beschreibungen und Beispielen für jede Bewertungsstufe. So wird die Anwendung einheitlicher und nachvollziehbarer.
Verwechslung von Stellenbewertung und Leistungsbewertung
Individuelle Leistung fließt in die Bewertung der Stelle ein.
Tipp: Trennen Sie klar zwischen Rolle (Stellenbewertung) und Person (Leistungsbewertung). Nur so bleibt die Vergleichbarkeit gewahrt.
Widerstand aufgrund befürchteter Gehaltsanpassungen
Die Einführung kann bestehende Ungleichheiten sichtbar machen und dadurch Unsicherheit erzeugen.
Tipp: Kommunizieren Sie frühzeitig, dass Transparenz ein schrittweiser Prozess ist. Machen Sie deutlich, wie mit möglichen Anpassungsbedarfen umgegangen wird und nach welchen Prinzipien Entscheidungen getroffen werden.
Inkonsistente Anwendung im Unternehmen
Unterschiedliche Bereiche bewerten Stellen unterschiedlich streng.
Tipp: Etablieren Sie zentrale Qualitätssicherungsmechanismen, z. B. durch HR-Reviews oder Kalibrierungsrunden.
Unzureichende Datenbasis
Stellenbeschreibungen sind veraltet oder unvollständig.
Tipp: Aktualisieren Sie Stellenprofile vor der Bewertung systematisch und nutzen Sie einheitliche Vorlagen.
Erfolgsfaktoren zur nachhaltigen Verankerung
- Verknüpfung mit Vergütungssystemen: Nutzen Sie die Stellenbewertung konsequent als Grundlage für Gehaltsstrukturen und Vergütungsentscheidungen.
- Trennung von Rolle und Person: Halten Sie die Unterscheidung zwischen Stellenbewertung und Leistungsbewertung konsequent aufrecht. Das erhöht die Objektivität und verhindert Verzerrungen.
- Regelmäßige Kalibrierung: Führen Sie bereichsübergreifende Abstimmungen durch, um eine einheitliche Bewertungspraxis sicherzustellen und Unterschiede frühzeitig zu erkennen.
- Transparente Kommunikation: Erklären Sie nachvollziehbar, wie das System funktioniert und welche Auswirkungen es auf Gehälter und Entwicklungsmöglichkeiten hat. Das stärkt Akzeptanz und Vertrauen.
- Datenbasierte Auswertung: Nutzen Sie die Ergebnisse für Analysen, z. B. zur Identifikation von Entgeltunterschieden zwischen Gruppen. Dies ist auch im Hinblick auf zukünftige Berichtspflichten relevant.
- Einbindung relevanter Stakeholder: Binden Sie frühzeitig zentrale Stakeholder ein, insbesondere Betriebsrat und Führungskräfte, um Akzeptanz und Umsetzbarkeit zu sichern.
Best Practice
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Ressourcen
- Tools und Umsetzungshilfen:
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ): „Instrumente zur Prüfung der Entgeltungleichheit“
- Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): “Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie - To-dos für Unternehmen/HR”
- European Institute for Gender Equality (EIGE): „Gender-neutral job evaluation and classification – Step-by-step toolkit“
